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Ernährung beim Radfahren: Kohlenhydrate richtig einsetzen

Du fährst seit zwei Stunden, die Beine werden schwer, der Kopf leer — und plötzlich ist nichts mehr da. Der Hungerast hat einen biochemischen Grund, und er ist vollständig vermeidbar. Hier ist wie.

60 g
Kohlenhydrate / Stunde
Richtwert für Ausfahrten ab 90 Min.
Kurz gefasst
  • Ab 90 Minuten: 60 g Kohlenhydrate pro Stunde zuführen
  • Timing: Ab Minute 30–45 beginnen — nicht erst wenn Hunger kommt
  • Alle 20–30 Min eine kleine Portion, nicht selten große Mengen auf einmal
  • Quellen kombinieren: Gels, flüssige Carbs, Bananen, Riegel je nach Intensität

Warum Kohlenhydrate beim Radfahren entscheidend sind

Der menschliche Körper hat zwei primäre Energiequellen: Fett und Kohlenhydrate. Fett ist im Überfluss vorhanden — selbst bei schlanken Athleten reichen die Fettreserven theoretisch für hunderte Kilometer. Das Problem: Fett lässt sich nur langsam verstoffwechseln und liefert bei mittlerer bis hoher Intensität nicht schnell genug Energie.

Kohlenhydrate dagegen sind der bevorzugte Treibstoff bei Intensitäten ab etwa 65 % der maximalen Herzfrequenz — also genau dann, wenn Radsport Spaß macht. Sie werden als Glykogen in Leber und Muskeln gespeichert. Diese Speicher fassen jedoch nur 400–600 Gramm, was einem Energievorrat von etwa 1.600–2.400 kcal entspricht. Bei einer intensiven Ausfahrt sind diese Reserven nach 90 bis 120 Minuten aufgebraucht — falls du nicht rechtzeitig nachfüllst.

Leere Glykogenspeicher bedeuten: Leistungseinbruch, Konzentrationsverlust, zitternde Beine. Radsportler nennen das den Hungerast oder Bonk. Er tritt nicht graduell ein — er kommt abrupt.

Wie viel Kohlenhydrate pro Stunde beim Radfahren?

Die Forschung der letzten Jahre gibt klare Empfehlungen — und die Mengen sind höher als viele denken:

Dauer der Ausfahrt Empfohlene Zufuhr
Bis 60 MinutenKeine zusätzliche Zufuhr nötig
60–90 Minuten30 g / Stunde
90–150 Minuten30–60 g / Stunde
Über 150 Minuten60–90 g / Stunde
Wettkampf / MarathonBis zu 120 g / Stunde (trainiert)

Warum bis zu 120 g? Der Dünndarm kann Glukose mit maximal 60 g pro Stunde aufnehmen. Ein zweiter Transportweg — Fruktose — arbeitet parallel und nimmt zusätzlich bis zu 60 g/Stunde auf. Wer ein 2:1-Verhältnis von Glukose zu Fruktose einsetzt, kann die Gesamtaufnahme auf 90–120 g/Stunde steigern. Voraussetzung: der Magen-Darm-Trakt muss daran gewöhnt sein.

Richtwert: Für die meisten Hobbyfahrer sind 60 g Kohlenhydrate pro Stunde bei Ausfahrten über 90 Minuten ein realistisches und wirksames Ziel. Starte mit 30–40 g und steigere dich im Training schrittweise.

Timing: Wann mit der Kohlenhydratzufuhr beginnen?

Ein häufiger Fehler: erst essen, wenn der Hunger kommt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Speicher bereits halb leer — und es dauert 20–30 Minuten, bis die aufgenommenen Kohlenhydrate im Blut ankommen und die Muskeln erreichen.

Die bessere Strategie:

Regelmäßige kleine Portionen halten den Blutzucker stabil und entlasten den Magen stärker als seltene große Mengen.

Welche Quellen eignen sich zur Ernährung beim Radfahren?

Energiegels

Gels liefern 20–25 g Kohlenhydrate in kompakter Form und sind beim Fahren einfach zu konsumieren. Gels mit Glukose-Fruktose-Mix (2:1) ermöglichen höhere Aufnahmeraten. Nachteil: relativ teuer, und bei langen Ausfahrten wird die monotone Süße für viele unangenehm. Richtwert: 1 Gel alle 30–45 Minuten bei hoher Intensität.

Energieriegel

Riegel liefern 30–45 g Kohlenhydrate und sättigen durch den höheren Feststoffanteil mehr. Sie eignen sich gut für moderate Intensitäten und ruhigere Passagen. Bei sehr hoher Intensität oder Hitze kann die Verdauung von Feststoffen problematisch sein.

Flüssige Kohlenhydrate: Sportgetränke und Getränkepulver

Flüssige Kohlenhydrate sind magenfreundlich, liefern gleichzeitig Elektrolyte und beugen Dehydrierung vor. Ein gut gemischtes Sportgetränk mit 6–8 % Kohlenhydratkonzentration liefert bei 500–750 ml/Stunde rund 30–60 g Kohlenhydrate — und damit einen erheblichen Teil des Stundenbedarfs. Für viele Radsportler ist die Kombination aus flüssigen Kohlenhydraten als Basisversorgung und festen Quellen als Ergänzung die verträglichste Strategie.

Natürliche Alternativen

Persönlichen Bedarf berechnen

Die oben genannten Richtwerte sind Ausgangspunkte. Dein tatsächlicher Bedarf hängt von mehreren Faktoren ab: Intensität, Körpergewicht, Streckenprofil, Wetter und Trainingszustand. Eine einfache Faustregel nach Körpergewicht:

Körpergewicht Basis-Richtwert Bei hoher Intensität
60 kg~45 g / Stunde~60 g / Stunde
70 kg~55 g / Stunde~70 g / Stunde
80 kg~60 g / Stunde~80 g / Stunde
90 kg~65 g / Stunde~90 g / Stunde
Fueling-Plan berechnen

Fuelmetric berechnet minutengenau, wann und wie viel du essen solltest — angepasst an deine GPX-Strecke, Intensität und aktuelles Wetter.

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Training vs. Wettkampf: Zwei verschiedene Strategien

Im Training empfiehlt es sich, gelegentlich auch mit niedrigen Kohlenhydratspeichern zu fahren ("Train Low"). Diese Methode trainiert die Fettverbrennung und verbessert die metabolische Effizienz über Zeit. Wichtig: Train Low nur bei ruhigen Grundlagen-Rides, nie bei intensiven Einheiten.

Im Rennen oder bei einem langen Radmarathon gilt die umgekehrte Regel: volle Kohlenhydratzufuhr von Anfang an. Keine Experimente mit neuen Produkten — nur was im Training erprobt wurde. In den 24–48 Stunden vor einem wichtigen Event die Kohlenhydratzufuhr erhöhen (Carb Loading: 8–10 g pro kg Körpergewicht pro Tag), um die Glykogenspeicher maximal aufzufüllen.

Die häufigsten Fehler bei der Ernährung beim Radfahren


Fazit

Ernährung beim Radfahren ist keine Hexerei — aber sie erfordert Planung und Konsequenz. Die wichtigsten Punkte: früh beginnen, regelmäßig kleine Mengen, ausreichend Flüssigkeit, und Intensität sowie Streckenprofil berücksichtigen. Wer diese Grundregeln kennt und konsequent umsetzt, verhindert den Hungerast und hält die Leistung auch auf dem letzten Drittel der Strecke stabil.

Quellen: Jeukendrup (2014), A Step Towards Personalized Sports Nutrition. Burke et al. (2011), Carbohydrates for training and competition. Thomas et al. (2016), ACSM Joint Position Statement: Nutrition and Athletic Performance.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Kohlenhydrate beim Fahrradfahren?

Bei Ausfahrten unter 60 Minuten ist keine zusätzliche Zufuhr nötig. Ab 90 Minuten empfehlen sich 30–60 g Kohlenhydrate pro Stunde. Bei langen Ausfahrten über 2,5 Stunden können trainierte Athleten mit einem Glukose-Fruktose-Mix bis zu 90–120 g pro Stunde verarbeiten.

Sind Kohlenhydrate gut fürs Radfahren?

Ja. Kohlenhydrate sind bei mittlerer bis hoher Intensität der primäre Treibstoff. Ohne ausreichende Versorgung leeren sich die Glykogenspeicher und es kommt zum Hungerast — einem abrupten Leistungseinbruch. Fett allein kann bei typischen Rennradintensitäten nicht schnell genug bereitgestellt werden.

Was sollte man während des Radfahrens essen?

Bewährt haben sich Energiegels, Energieriegel, Bananen, Datteln oder Sportgetränke mit 6–8 % Kohlenhydratgehalt. Für maximale Aufnahme empfiehlt sich ein Glukose-Fruktose-Verhältnis von 2:1. Wichtig: Neue Produkte immer zuerst im Training testen, nie erstmals im Wettkampf.

Wie viel Kohlenhydrate pro Stunde beim Rennrad?

60 g pro Stunde ist ein solider Richtwert für Hobbyfahrer bei langen Einheiten. Bei intensiven Events oder Rennen: 60–90 g pro Stunde. Trainierte Ausdauersportler mit einem eingeübten Magen-Darm-Trakt ("Gut Training") können bis zu 120 g pro Stunde tolerieren.