Early Access
7 min Lesezeit

Carb Loading: Die vollständige Anleitung

Carboloading ist die wirksamste Einzelmaßnahme vor einem langen Wettkampf. Gemacht wie vor 30 Jahren ist sie quälend und überflüssig. Die aktuelle Forschung zeigt: 1–2 Tage reichen — wenn du es richtig angehst.

10 g
Kohlenhydrate / kg Körpergewicht
Zielwert pro Tag beim Carb Loading
Kurz gefasst
  • 1–3 Tage vorher: 8–12 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht täglich
  • Gleichzeitig: Training stark reduzieren (Tapering) — beides zusammen wirkt
  • Lebensmittel: Weißer Reis, Pasta, Weißbrot — Fett und Ballaststoffe reduzieren
  • +1–2 kg Gewicht durch Wassereinlagerung ist normal und gewollt

Was ist Carb Loading?

Carb Loading (auch: Carboloading oder Kohlenhydratladen) ist eine Ernährungsstrategie, bei der in den Tagen vor einem Ausdauerwettkampf die Kohlenhydratzufuhr gezielt erhöht wird, um die Glykogenspeicher in Muskeln und Leber über ihr normales Maß hinaus aufzufüllen. Mit vollen Speichern steht mehr Energie zur Verfügung — was bei Belastungen über 90 Minuten einen messbaren Leistungsunterschied macht.

Das Konzept stammt aus den 1960er Jahren. Damals wurde ein aufwendiges 7-Tage-Protokoll empfohlen: erst 3 Tage Kohlenhydrat-Entzug und hartes Training zur Speicher-Entleerung, dann 3 Tage hochkalorische Kohlenhydratzufuhr. Ergebnis: die Speicher wurden tatsächlich überfüllt — aber die "Depletion-Phase" war qualvoll, schwächte den Körper und erhöhte das Verletzungsrisiko kurz vor dem Rennen.

Aktuelle Forschung ist eindeutig: Die Entleerungsphase ist nicht nötig. 1–3 Tage erhöhte Kohlenhydratzufuhr kombiniert mit reduziertem Training (Tapering) füllt die Speicher genauso effektiv — ohne den Körper unnötig zu belasten.

Wie funktioniert Carb Loading?

Die Muskelzellen speichern Kohlenhydrate in Form von Glykogen. Normale Glykogenspeicher fassen etwa 400–500 g (rund 1.600–2.000 kcal). Durch gezieltes Carboloading lassen sich diese Speicher auf 600–700 g (bis zu 2.800 kcal) ausdehnen. Das passiert durch zwei Mechanismen gemeinsam:

  1. Hohe Kohlenhydratzufuhr — mehr Substrat für die Glykogensynthese
  2. Reduziertes Training (Tapering) — weniger Verbrauch, die Speicher können sich füllen

Wichtig: Ohne Tapering funktioniert Carb Loading deutlich schlechter. Wer zwei Tage vor dem Rennen noch intensive Einheiten absolviert, leert die Speicher schneller als er sie füllen kann.

Wie viele Tage Carboloading?

Das hängt vom Event ab. Die aktuelle Forschung (Burke et al., 2011; Jeukendrup, 2014) gibt klare Empfehlungen:

Kurzprotokoll (1 Tag)

Für Events 60–90 Min. Einen Tag vorher: 8–10 g/kg Kohlenhydrate, minimales Training. Effektiv wenn die Speicher noch halbwegs gefüllt sind.

Standardprotokoll (2–3 Tage)

Für Events über 90 Min. (Marathon, Triathlon, Radrennen). 2–3 Tage vorher: 8–12 g/kg Kohlenhydrate täglich, stark reduziertes Training.

Für die meisten Ausdauersportler ist das 2-tägige Protokoll (48 Stunden vor dem Start) optimal: effektiv genug für volle Speicher, kurz genug um keine unangenehmen Magen-Darm-Beschwerden zu entwickeln.

Faustregel: 2 Tage vor dem Rennen mit Carb Loading beginnen. Je länger der Wettkampf, desto mehr lohnt sich ein 3-tägiges Protokoll — z.B. beim Ironman oder Ultra-Cycling-Events.

Wie viele Kohlenhydrate beim Carb Loading?

Das entscheidende Ziel: 8–12 g Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Das klingt viel — und ist es auch. Für einen 70-kg-Athleten bedeutet das 560–840 g Kohlenhydrate täglich.

Körpergewicht Minimum (8 g/kg) Optimal (10 g/kg) Maximum (12 g/kg)
55 kg440 g / Tag550 g / Tag660 g / Tag
65 kg520 g / Tag650 g / Tag780 g / Tag
75 kg600 g / Tag750 g / Tag900 g / Tag
85 kg680 g / Tag850 g / Tag1.020 g / Tag

Diese Mengen lassen sich nur erreichen, wenn Fett und Ballaststoffe deutlich reduziert werden. Fett liefert keine Kohlenhydrate, sättigt aber stark. Ballaststoffe füllen den Magen-Darm-Trakt und verlangsamen die Aufnahme. Wer weiterhin viel Gemüse und Vollkorn isst, wird die Zielmengen nicht erreichen — und riskiert Verdauungsprobleme am Renntag.

Carboloading Lebensmittel: Was essen?

Beim Carboloading geht es nicht um gesunde Ernährung im klassischen Sinne — es geht um maximale Kohlenhydratdichte bei minimaler Ballaststoff- und Fettlast. Die besten Quellen:

Hauptmahlzeiten

Snacks und Getränke

Was zu vermeiden ist

Carboloading vor verschiedenen Events

Carboloading vor dem Marathon

Der Klassiker: 2 Tage vorher umstellen, 10 g/kg pro Tag anpeilen. Am Abend davor eine große Pasta-Mahlzeit — aber nicht übermäßig viel auf einmal, um Schlafprobleme durch Völlegefühl zu vermeiden. Am Wettkampfmorgen 2–3 Stunden vor dem Start nochmals 1–1,5 g/kg Kohlenhydrate (Weißbrot, Banane, Haferbrei).

Carboloading beim Halbmarathon

Bei unter 90 Minuten Laufzeit ist ein vollständiges 2-Tage-Protokoll oft übertrieben. Ein eintägiges Protokoll (8 g/kg, einen Tag vorher) oder einfach eine kohlenhydratbetonte letzte Mahlzeit am Vorabend reicht für die meisten Läufer.

Carboloading beim Triathlon / Ironman

Beim Langdistanz-Triathlon empfiehlt sich ein 3-tägiges Protokoll. Besonderheit: Die Belastung wechselt zwischen Schwimmen, Radfahren und Laufen — die Glykogennutzungsrate ist hoch und konstant. Hier lohnt sich die vollständige Speicherfüllung am meisten. 10–12 g/kg pro Tag für 2–3 Tage.

Carboloading beim Radrennen / Radmarathon

Identische Strategie wie beim Marathon. Bei mehreren Etappen (z.B. Mehrtagesrennen) am Abend jeder Etappe konsequent über 8 g/kg essen — die Resynthese läuft über Nacht auf Hochtouren. Fuelmetric berechnet den Mehrbedarf automatisch basierend auf der Streckenlänge und dem Höhenprofil.

Carb-Loading-Plan berechnen

Fuelmetric berechnet deinen individuellen Kohlenhydratbedarf für das Carboloading — basierend auf deinem Gewicht, der Eventdistanz und dem geplanten Intensitätsprofil.

App ausprobieren →

Häufige Fehler beim Carboloading

Carboloading und Gewichtszunahme

Viele Athleten erschrecken, wenn die Waage nach dem Carboloading 1–2 kg mehr zeigt. Das ist kein Fett — es ist Wasser, das zusammen mit dem Glykogen in der Muskulatur gebunden wird. Jedes Gramm Glykogen zieht etwa 3 g Wasser mit sich. Volle Speicher bedeuten also zwangsläufig ein leicht höheres Körpergewicht. Beim Wettkampf wird das Glykogen verstoffwechselt, und das Wasser wird wieder freigegeben — als Schweißverlust und Energiequelle.


Fazit

Carb Loading funktioniert — wenn es richtig durchgeführt wird. Die wichtigsten Punkte: 2–3 Tage vorher mit 8–12 g Kohlenhydraten pro kg Körpergewicht beginnen, gleichzeitig das Trainingsvolumen reduzieren, und Fett sowie Ballaststoffe stark einschränken. Das klassische 7-Tage-Protokoll mit Entleerungsphase ist überholt und unnötig. Wer das moderne Kurzprotokoll konsequent umsetzt, geht mit optimalen Glykogenspeichern in den Wettkampf — und hat deutlich weniger gelitten.

Quellen: Burke et al. (2011), Carbohydrates for training and competition. Jeukendrup & Gleeson (2019), Sport Nutrition. Sherman et al. (1981), Effect of exercise-diet manipulation on muscle glycogen.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert Carb-Loading?

Beim Carb Loading erhöhst du in den 1–3 Tagen vor dem Wettkampf deine Kohlenhydratzufuhr auf 8–12 g pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Gleichzeitig reduzierst du das Trainingsvolumen (Tapering). So werden die Glykogenspeicher in Muskeln und Leber über das normale Maß hinaus aufgefüllt — für mehr Ausdauer bei langen Belastungen.

Wie viele Tage Carboloading?

Moderne Forschung zeigt, dass 1–3 Tage Carb Loading ausreichen, um die Glykogenspeicher vollständig aufzufüllen. Das klassische 7-Tage-Protokoll mit vorheriger Entleerungsphase gilt als überholt. Für die meisten Ausdauersportler ist ein 2-tägiges Protokoll (48 Stunden vor dem Start) optimal.

Welche Lebensmittel sollte ich beim Carb-Loading essen?

Gut verträgliche, kohlenhydratreiche Lebensmittel mit wenig Fett und Ballaststoffen: Weißer Reis, Pasta, Weißbrot, Kartoffeln, Haferflocken, Bananen, Säfte, Sportgetränke. Fett und Ballaststoffe reduzieren, um Verdauungsprobleme am Renntag zu vermeiden.

Wie kann ich meine Kohlenhydrate auffüllen?

Plane 3 Hauptmahlzeiten und 2–3 Snacks pro Tag rund um kohlenhydratreiche Lebensmittel. Ziel: 8–12 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht täglich. Getränke (Säfte, Sportgetränke) helfen dabei, die hohe Menge ohne Völlegefühl zu erreichen. Fett und Protein deutlich reduzieren.