Fueling-Guide: Dieser Artikel ist Teil von Kohlenhydrate im Ausdauersport — dem kompletten Überblick zum Thema.

Wie viele Kohlenhydrate braucht man beim Radfahren?

Beim Radfahren werden 30–90 g Kohlenhydrate pro Stunde empfohlen — je nach Intensität und Dauer. Bei Einheiten unter 60 Minuten reichen 0–30 g/h. Bei mittlerer Intensität 60–75 g/h. Bei langen intensiven Ausfahrten über 2 Stunden: bis zu 90 g/h. Dieses Maximum ist nur mit dem 2:1-Verhältnis aus Glukose und Fruktose erreichbar, das beide Darmtransporter (SGLT1 + GLUT5) gleichzeitig auslastet.

Kurz gefasst
  • Unter 60 Minuten / niedrig: 0–30 g/h reichen — Kohlenhydrate optional
  • 60–120 Minuten / mittel: 30–60 g/h — isotonisches Getränk + kleiner Snack
  • Über 2 h / intensiv: 60–90 g/h — volles Fueling-Programm
  • Maximum: 90 g/h — nur mit 2:1 Glukose:Fruktose erreichbar
  • Darmtraining: Steigere von 60 auf 90 g/h über 4–8 Wochen
  • Glukose-Quellen: Maltodextrin, Reis, Stärke | Fruktose: Honig, Fruchtsaft, Früchte

Warum Kohlenhydrate die Energie-Währung des Radsports sind

Fett liefert mehr Kalorien pro Gramm als Kohlenhydrate — das ist richtig. Aber Fett verbrennt langsam. Bei Intensitäten über 65–70 % der maximalen Herzfrequenz verschiebt sich die Energieversorgung drastisch Richtung Kohlenhydrate. Ab 80 % HFmax liefert Fett weniger als 20 % der benötigten Energie. Bei maximaler Intensität (Sprinten, steile Bergauf-Passagen) fast gar nichts mehr.

Das bedeutet: Wer lange und mit Tempo fährt, verbraucht Glykogen. Ein typischer Rennradfahrer verbrennt je nach Intensität 60–180 g Kohlenhydrate pro Stunde. Die körpereigenen Speicher fassen 300–600 g Glykogen (in Muskeln und Leber) — das reicht bei mittlerer Intensität für 90–120 Minuten. Danach kommt der Einbruch, wenn keine Kohlenhydrate von außen zugeführt wurden.

Das Ziel von Fueling ist nicht, mehr zu essen als nötig — sondern zu verhindern, dass die Glykogenspeicher unter die kritische Schwelle fallen, ab der Leistung zusammenbricht.

Die drei Stufen: 30 / 60 / 90 g pro Stunde

IntensitätHFmaxDauerKH/h ZielBeispiel
Niedrig (GA1)< 65%Beliebig0–30 gWasser + gelegentlicher Snack
Moderat (GA1–GA2)65–75%60–120 min30–60 g500 ml Sportgetränk + Banane
Mittel–hoch75–85%90–180 min60–75 gIsotonisch + Reiskuchen oder Riegel
Hoch (EB)85–92%Über 90 min75–90 g2:1-Getränk + Gel alle 20 min
Gran Fondo75–85%3–6 h80–90 gVollständige Fueling-Strategie

Warum die alte 60-g-Grenze überholt ist

Bis ca. 2004 galt in der Sporternährungswissenschaft: Maximal 60 g Kohlenhydrate pro Stunde können vom Darm aufgenommen werden. Alles darüber führt zu Magen-Darm-Problemen und wird nicht verwertet. Dann publizierten Asker Jeukendrup und sein Team Studien, die zeigten, dass dieser Wert nur für eine Kohlenhydratquelle gilt.

Der Grund liegt in der Biologie der Darmtransporter:

Transporter 1
SGLT1
60 g/h
Transportiert: Glukose, Maltose, Maltodextrin

Quellen: Reiskuchen, Stärke, Maltodextrin, Weißbrot, Sportgetränke (Maltodextrin-basiert)
Transporter 2
GLUT5
30 g/h
Transportiert: Fruktose

Quellen: Honig, Fruchtsäfte (Apfel, Traube), frische Früchte, Fruktose-Pulver

Beide Transporter operieren unabhängig voneinander. Wenn man beide gleichzeitig auslastet — 60 g Glukose + 30 g Fruktose = 90 g gesamt — können 50 % mehr Kohlenhydrate aufgenommen werden als mit nur einer Quelle. Das ist das 2:1-Verhältnis.

Und es funktioniert: Mehrere kontrollierte Studien zeigen, dass Radfahrer mit 2:1-Verhältnis bei 90 g/h signifikant bessere Ausdauerleistung hatten als mit 60 g/h reiner Glukose — und das ohne mehr Magen-Darm-Probleme, sofern der Darm trainiert war.

Was ist 2:1 in der Praxis?

Das Verhältnis klingt kompliziert, ist aber einfach umzusetzen. Nahrungsmittel, die von Natur aus 2:1 haben:

Selbst gemischtes 2:1-Sportgetränk pro 500 ml:

Zwei davon pro Stunde = 90 g KH, 1 Liter Flüssigkeit, 0,8 g Natrium. Fertig.

Dein persönlicher KH-Bedarf: Berechnung nach Körpergewicht

Die Intensität ist wichtiger als das Körpergewicht für die absolute g/h-Zahl. Aber als grobe Orientierung:

KörpergewichtModerat (0,7 g/kg/h)Intensiv (1,0 g/kg/h)Maximal (90 g cap)
60 kg42 g/h60 g/h90 g/h
70 kg49 g/h70 g/h90 g/h
80 kg56 g/h80 g/h90 g/h
90 kg63 g/h90 g/h90 g/h

Das Maximum von 90 g/h ist durch den Darm-Transporter gedeckelt — nicht durch das Körpergewicht. Wer 90 kg wiegt, kann bei maximaler Intensität gleich viel aufnehmen wie jemand mit 70 kg.

Darmtraining: Der vergessene Schlüssel

Die häufigste Ursache für Magen-Darm-Probleme beim Radfahren während des Fuelens: Der Darm ist die hohen Kohlenhydratmengen schlicht nicht gewohnt. Wer jahrelang 30–40 g/h gegessen hat und plötzlich auf 80–90 g/h wechselt, wird Probleme bekommen.

Die Lösung: Darmtraining über 4–8 Wochen.

  1. Woche 1–2: 40–50 g KH/h trainieren (isotonisches Getränk + kleiner Snack)
  2. Woche 3–4: 55–65 g/h (zwei Portionen Sportgetränk + Riegel/Reiskuchen)
  3. Woche 5–6: 70–80 g/h (2:1-Getränk einführen)
  4. Woche 7–8: 85–90 g/h (volles 2:1-Protokoll)

Pro-Tipp: Darmtraining macht man während langer, ruhiger GA1-Einheiten — nicht beim Intervalltraining. Die Verdauung funktioniert bei niedrigerer Intensität besser.

Praxisbeispiel 5-Stunden-Tour (70 kg, mittlere Intensität): Ziel: 75 g KH/h × 5 h = 375 g KH gesamt. Pro Stunde: 500 ml isotonisches 2:1-Getränk (45 g KH) + 1 Reiskuchen (30 g KH) = 75 g. Das sind 5 Reiskuchen + 2,5 Liter Sportgetränk für die gesamte Tour. Kosten selbst gemacht: ca. 2–3 €.

Häufigste Fueling-Fehler beim Radfahren

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Kurzreferenz: Was enthält wie viele Kohlenhydrate?

Snack / GetränkMengeKHTyp
Klassischer Reiskuchen1 Stück (80 g)31 gGlukose + Fruktose (Honig)
Hochleistungs-Reiskuchen1 Stück (90 g)41 gGlukose (Maltodextrin)
Isotonisches Sportgetränk500 ml30–40 gMeist Maltodextrin + Saccharose
Energygel1 Beutel (40 g)20–25 gMaltodextrin + Fruktose
Banane (reif)1 Stück (120 g)27 gGlukose + Fruktose + Saccharose
Energieriegel1 Stück (60 g)28–38 gVariiert je nach Rezept
Traubensaft200 ml30 gGlukose + Fruktose (ca. 1:1)
Honig1 EL (20 g)16 gFruktose + Glukose + Maltose