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Sportgetränk-Komponenten: Kohlenhydrate, Elektrolyte & Mischungsverhältnisse

Warum können Maurten-Athleten 120 g Kohlenhydrate pro Stunde trinken, ohne Magenprobleme zu bekommen? Und warum versagen Standard-Gels bei Intensitäten über 60 g/h? Die Antwort liegt in der Biochemie — und lässt sich im DIY-Mix reproduzieren.

SGLT1 Transporter
60 g
Glukose / Stunde
Maltodextrin + Saccharose + Glukose
GLUT5 Transporter
30 g
Fruktose / Stunde
Fruktose + Saccharose (Hälfte)
Kombiniert (2:1)
90 g
Max. Aufnahme / Stunde
Mit trainiertem Darm bis 120 g
Kurz gefasst
  • SGLT1 (Glukose-Transporter): max. 60 g/h — Maltodextrin, Glukose, Saccharose
  • GLUT5 (Fruktose-Transporter): max. 30 g/h — Fruktose, Saccharose
  • 2:1-Verhältnis (Glucose:Fruktose) = 90 g/h — der Industriestandard für Profi-Carb-Drinks
  • 1:0,8-Verhältnis (Maltodextrin:Fruktose) = noch besser verträglich — neuere Forschung (Rowlands et al.)

Teil 1: Die Kohlenhydrat-Komponenten

Nicht alle Kohlenhydrate sind für Sportgetränke gleich geeignet. Die Wahl der Kohlenhydratquelle beeinflusst Aufnahmegeschwindigkeit, Magenverträglichkeit, Süßungsgrad und Osmolarität des Getränks.

KohlenhydratTransporterMax. AufnahmeGISüße (relativ)Osmolarität
Maltodextrin (DE 15–20)SGLT1~60 g/h85–110~10–20 %Sehr niedrig
Glukose (Dextrose)SGLT1~60 g/h100~70–75 %Hoch
Saccharose (Haushaltszucker)SGLT1 + GLUT5~60 g/h (gesamt)65–70100 %Mittel
FruktoseGLUT5~30 g/h15–25~120–170 %Mittel
Isomaltulose (Palatinose)Beide (langsam)~30–40 g/h32~45 %Niedrig
TrehaloseSGLT1~40 g/h70~45 %Sehr niedrig

Warum Maltodextrin die beste Glukosquelle ist

Maltodextrin (kurz: Malto) ist ein partiell hydrolysiertes Stärkederivat — eine Kette aus mehreren Glukosemolekülen. Entscheidende Eigenschaften für Sportgetränke:

DE-Wert (Dextrose Equivalent): Der DE-Wert gibt den Hydrolysegrad an. DE 15–20 ist optimal für Sportgetränke — ausreichend vorhydrolysiert für schnelle Verfügbarkeit, aber noch genug Kettenlänge für niedrige Osmolarität. DE unter 10 ist zu lang (langsamer), DE über 30 nähert sich reiner Glukose an (höhere Osmolarität).

Teil 2: Das Dual-Transporter-Modell

Der Dünndarm hat zwei separate Transportsysteme für Kohlenhydrate:

TransporterSubstratMax. KapazitätAktiviert durch
SGLT1Glukose, Galaktose~60 g/hNatrium (Symporter)
GLUT5Fruktose~30 g/hFruktose-Konzentrationsgradient
GLUT2Glukose + FruktosevariabelAktiviert bei hohen Konzentrationen

Das SGLT1-System ist natriumabhängig — weshalb Natrium im Sportgetränk nicht nur Elektrolyt, sondern auch Beschleuniger der Kohlenhydrataufnahme ist. Wer Gels ohne Natrium nimmt, nimmt Kohlenhydrate langsamer auf.

Glukose sättigt SGLT1 bei ca. 60 g/h. Fruktose nutzt GLUT5 parallel und ist bei diesem Fluss nicht im Wettbewerb mit Glukose. Daher: 60 g Glucose + 30 g Fruktose = 90 g/h maximal — ohne gegenseitige Hemmung.

Das 2:1-Verhältnis (Glukose : Fruktose)

Das klassische Verhältnis aus der Forschung von Jeukendrup und Wallis (2005): 2 Teile Glukose (oder Maltodextrin) auf 1 Teil Fruktose. Bei einem Zielwert von 90 g/h:

Das entspricht 2:1 und ist der Industriestandard hinter Produkten wie SiS Beta Fuel (Generation 1), High5 Energy Source 2:1 und vielen anderen.

Das 1:0,8-Verhältnis (Maltodextrin : Fruktose) — neuere Forschung

Rowlands et al. (2015) zeigten, dass ein Verhältnis von 1:0,8 (Maltodextrin:Fruktose) eine noch höhere Oxidationsrate ermöglicht als 2:1 — mit weniger Magenbelastung. Bei 90 g/h:

Das ist das Verhältnis hinter Maurten 320 und SiS Beta Fuel (aktuell). Höherer Fruktoseanteil bedeutet höhere Gesamtoxidationsrate, aber erhöhtes Magenrisiko bei untrainiertem Darm. Gut-Training ist Voraussetzung.

Teil 3: Die Mischungsformeln nach Intensität

Hier sind die exakten DIY-Formeln für drei Intensitätsstufen — alle auf 750 ml ausgelegt (eine Bidon-Flasche):

Basis-Mix: 30 g Carbs / Stunde
Leichte Einheiten · unter 90 Min
Maltodextrin DE 15–2022 g Haushaltszucker (Saccharose)8 g Kochsalz (NaCl)0,5 g (~200 mg Na) Wasser (still)750 ml Zitronensaft (optional)1 EL
30 g Carbs/750 ml ~4 % Konzentration ~200 mg Natrium ~120 kcal Hypotonisch · gut für Hydration + moderate Energie
Standard-Mix: 60 g Carbs / Stunde
Moderate bis intensive Einheiten · 90–150 Min
Maltodextrin DE 15–2040 g Fruktose (Fruchtzucker)20 g Kochsalz (NaCl)1,0 g (~400 mg Na) Kaliumchlorid (optional)0,4 g (~200 mg K) Wasser (still)750 ml
60 g Carbs/750 ml ~8 % Konzentration ~400 mg Natrium ~240 kcal Isotonisch · Verhältnis Malto:Fruktose = 2:1
Profi-Mix: 90 g Carbs / Stunde
Wettkampf · über 150 Min · trainierter Darm erforderlich
Maltodextrin DE 15–2050 g Fruktose40 g Kochsalz (NaCl)1,25 g (~500 mg Na) Kaliumchlorid0,5 g (~250 mg K) Magnesiumcitrat-Pulver (optional)0,3 g (~50 mg Mg) Wasser (still)750 ml
90 g Carbs/750 ml ~12 % Konzentration ~500 mg Natrium ~360 kcal Leicht hypertonisch · mit 500–600 ml Wasser trinken

Wichtig beim 90 g-Mix: Bei hypertonischer Konzentration (über 8–10 %) immer gleichzeitig ausreichend Wasser trinken — entweder verdünnt mischen oder parallel reines Wasser trinken. Sonst verlangsamt sich die Magenentleerung und GI-Probleme drohen.

Teil 4: Elektrolyte — Verhältnisse und Funktion

Elektrolyte sind keine optionalen Zusätze — sie sind funktionale Komponenten, die Flüssigkeitsbalance, Nervenleitung, Muskelkontraktion und den Kohlenhydrat-Transport selbst beeinflussen.

ElektrolytEmpfehlung (Getränk)QuelleFunktionWann wichtig
Natrium (Na⁺)400–700 mg/LKochsalz (NaCl)Flüssigkeitsbalance, SGLT1-Aktivierung, TrinkantriebImmer — Pflichtbestandteil
Kalium (K⁺)100–300 mg/LKaliumchlorid, ApfelsaftHerzrhythmus, MuskelkontraktionAb 90 Min oder hohem Schweißverlust
Magnesium (Mg²⁺)30–60 mg/LMagnesiumcitrat, MineralwasserEnzymreaktionen, Muskelentspannung, KrämpfeLange Events, Krämpfneigung
Chlorid (Cl⁻)Automatisch via NaClKochsalzSäure-Base-BalanceImmer (mit Natrium)
Calcium (Ca²⁺)OptionalCalciumgluconatMuskelkontraktion, KnochenSehr lange Events (Ironman+)

Das Natrium-Verhältnis im Detail

Natrium ist der wichtigste Faktor. Als Faustregel gilt: 0,5–1,2 g Natrium pro Liter Schweiß — die Verlustrate variiert stark zwischen Athleten ("Salty Sweaters" verlieren bis zu 2 g/L). Standardempfehlung für DIY-Mixes:

Kochsalz-Umrechnung: 1 g Kochsalz (NaCl) enthält 393 mg Natrium.

Teil 5: Osmolarität berechnen

Die Osmolarität eines Getränks bestimmt wie schnell es resorbiert wird. Sie lässt sich näherungsweise berechnen:

Osmolarität (mOsm/L) ≈ Σ (Masse in g/L ÷ Molmasse) × 1000

SubstanzMolmasse (g/mol)Beispiel: 80 g/LBeitrag (mOsm/L)
Glukose (C₆H₁₂O₆)18080 g/L444 mOsm/L → hypertonisch!
Maltodextrin DE 18 (MW ~1.000)~1.00080 g/L80 mOsm/L → Beitrag minimal!
Fruktose (C₆H₁₂O₆)18030 g/L167 mOsm/L
Saccharose (C₁₂H₂₂O₁₁)34260 g/L175 mOsm/L
Kochsalz (NaCl → 2 Ionen)58 × 21 g/L34 mOsm/L

Das erklärt, warum Maltodextrin revolutionär war: 80 g/L Maltodextrin tragen nur ~80 mOsm/L bei — gegenüber 444 mOsm/L für dieselbe Masse Glukose. Ein Maltodextrin-Fruktose-Mix mit 90 g Carbs/L bleibt damit noch isotonisch, während ein reiner Glukose-Mix bei denselben Mengen stark hypertonisch wäre.

Teil 6: Puffersysteme und Koffein

Koffein im Sportgetränk

Koffein ist das einzige legale ergogene Supplement mit konsistenter Evidenz. Es reduziert die wahrgenommene Erschöpfung, verbessert die Konzentration und erhöht die Fettoxidation leicht.

Natriumbicarbonat (Soda) als Puffer

Natriumbicarbonat puffert die Laktatazidose bei hochintensiven Einheiten (über 3–5 Minuten Belastung). Für Ausdauersport nur relevant bei kurzen intensiven Abschnitten (z.B. Bergsprints). Effektive Dosis: 0,3 g/kg, 60–90 Minuten vor der Belastung. Risiko: Magenprobleme — muss trainiert werden.

Fueling automatisch berechnen lassen

Fuelmetric berechnet nicht nur Gels und Riegel — sondern auch wie dein Getränk-Mix für eine spezifische Strecke und Intensität aussehen sollte. GPX-basiert, wetterabhängig, minutengenau.

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Praktische Einkaufsliste: Wo die Komponenten kaufen

KomponenteProdukt / QuelleKosten ca.Hinweis
Maltodextrin DE 15–20Bodybuilding-/Sport-Online-Shops, Amazon3–5 €/kgAchte auf DE-Wert (15–20 ideal)
Fruktose (Fruchtzucker)Supermarkt (Backabteilung), Reformhaus2–4 €/kgReine Fruktose, kein HFCS
Kochsalz (NaCl)Jeder Supermarkt<1 €/kgJodiertes oder nicht — egal
KaliumchloridSupermarkt als "Salzersatz" (z.B. LoSalt)3–5 €/200 gEnthält ~500 mg K pro 1 g
Magnesiumcitrat-PulverApotheke, Drogerie, Online8–15 €/300 gGut lösliche Form bevorzugen
Koffein-Kapseln (optional)Apotheke, Online5–10 €/60 Kapseln200 mg/Kapsel Standard

Gut-Training: Die übersehene Voraussetzung

Kein Sportgetränk-Protokoll funktioniert ohne ein trainiertes Verdauungssystem. Der Darm ist adaptierbar — wie ein Muskel. Wer plötzlich von 30 g auf 90 g Kohlenhydrate pro Stunde springt, wird GI-Probleme bekommen. Die richtige Progression:

  1. Woche 1–4: 30–40 g Carbs/h bei moderaten Trainingseinheiten
  2. Woche 5–8: 50–60 g Carbs/h, erste Testläufe mit Fruktose-Anteil
  3. Woche 9–12: 60–80 g Carbs/h bei längeren Einheiten
  4. Wettkampfvorbereitung: 80–90 g Carbs/h nur wenn vorheriges Protokoll gut toleriert

Gut-Training dauert 3–6 Wochen spürbarer Adaptation. Hochvolumen-Triathletinnen und -Triathleten berichten von 12+ Wochen bis zu reibungsloser 120 g/h-Aufnahme.


Fazit: Der richtige Mix für deinen Kontext

Die optimale Sportgetränk-Zusammensetzung gibt es nicht — sie hängt von Intensität, Dauer, Trainingsstatus des Darms und persönlicher Verträglichkeit ab. Die Grundstruktur ist jedoch klar: Maltodextrin als Hauptkohlenhydratquelle (niedriger Osmolaritätsbeitrag), Fruktose im Verhältnis 2:1 bis 1:0,8 für maximale Darmausnutzung, Natrium als Pflichtbestandteil und weitere Elektrolyte bei langen Events. Die Wissenschaft dahinter ist solide — und lässt sich mit wenigen Grundzutaten kostengünstig umsetzen.

Quellen: Jeukendrup & Wallis (2005), Multiple transportable carbohydrates and their benefits. Rowlands et al. (2015), Fructose-Glucose Composite Carbohydrates and Endurance Performance. Currell & Jeukendrup (2008), Superior endurance performance with ingestion of multiple transportable carbohydrates. Cox et al. (2010), Daily training with high carbohydrate availability increases exogenous carbohydrate oxidation during endurance cycling.